image[Aktualisierung: März 2026]
 

Krise im Weinsektor: für einen echten Schutz an der Grenze

 

Der Schweizer Weinsektor leidet regelmässig unter der Konkurrenz der ausländischen Weine, ein Phänomen, das die SVSW seit langem bekämpft. Im Laufe der Jahre wurden im Parlament zahlreiche Postulate, Motionen und Interpellationen eingereicht, die eine Änderung bei der Zuteilung der Einfuhrkontingente für Wein forderten, leider jedoch ohne Erfolg. Bei dieser Art von Themen gibt es im Parlament Probleme, denn jede Änderung der Kontingente (Volumen, Gebühren, etc.) muss mit der Welthandelsorganisation verhandelt werden. Dies bedeutet ein langes Verfahren mit unsicherem Ausgang und, als Voraussetzung, Kompensationen in anderen, von den Mitgliedern der Welthandelsorganisation verlangten Wirtschaftssektoren.

Für eine bessere Zuteilung der Kontingente (Art. 22 LwG)

Die einzige Massnahme, die in Betracht gezogen werden kann und die keine Zustimmung seitens der Welthandelsorganisation benötigt, ist die Anwendung von Absatz 2b des Art. 22 des LwG. Dieser Artikel erlaubt es dem Bundesrat, die Zuteilung der Zollkontingente je nach Beitrag zur lokalen Produktion anzupassen. Diese Massnahme kann rasch eingeführt werden und wird die Importeure veranlassen, auch Schweizer Weine zu verkaufen und so den Markt zu stützen. 2014 wurde eine solche Massnahme für den Schweizer Fleischsektor eingeführt, und die SVSW beantragt seit langem, dass sie auch für Wein angewendet wird.

Die Krise im Weinsektor von 2025 und die Aufnahme von Diskussionen

Im Jahr 2025 hat sich die Lage im Schweizer Weinsektor sehr verschlechtert, denn die Schweizer Produzenten/-innen können ihre Weine nicht verkaufen, was in den Rebbergen Zorn auslöst. Im Sommer 2025 lud Bundesrat Guy Parmelin alle Akteure des Weinsektors zu Diskussionen ein. Ausser temporären Hilfsmassnahmen, um die am schwersten Betroffenen in ihrem Kampf zu unterstützen, forderte er seine Mitarbeiter auf, nach Möglichkeiten zu suchen, wie Artikel 22, Absatz 2 b für alle oder einen Teil der Weinkontingente angewendet werden kann. Diese Massnahme und ihre Einführung waren das Hauptthema der Verhandlungen in einer vom BLW einberufenen Arbeitsgruppe. Die SVSW hat sich darin proaktiv eingebracht und einen konkreten, umsetzbaren Vorschlag vertreten, der alle Marktakteure – Produzent*innen und Händler*innen – zufriedenstellen könnte.

Das Ergebnis: ein Projekt, das die selbsteinkellernde Weinbauern ausschließt!

Am 11. März 2026 eröffnete das WBF ein Vernehmlassungsverfahren betreffend die Änderung der Weinverordnung, um das Zollkontingent nach Massgabe der Inlandleistung zugunsten der Schweizer Produktion zuzuteilen. Das Ziel dieses Vorschlages entspricht unseren Forderungen, aber die Möglichkeiten, sich daran zu beteiligen, sind total unrealistisch, da über 65 % der Produzenten, inklusive die selbsteinkellernden Weinbauern und -bäuerinnen, davon ausgeschlossen werden.

Dieser Vorschlag wirft zahlreiche juristische Fragen auf, die während den monatelangen Diskussionen mit dem Weinsektor vom BLW nicht geklärt wurden. Ein Ausschluss vom Markt von einem grossen Teil der betroffenen Akteure ist eine sehr wichtige Einschränkung des Weinmarktes und könnte gegen die Gesetzgebung verstossen. Rechtlich gesehen sind andere Punkte ebenfalls fragwürdig und sollten vor der Vernehmlassung abgeklärt werden.

Die SVSW hat eine unabhängige Überprüfung der Rechtslage in Auftrag gegeben (siehe unsere Medienmitteilung vom 12.03.2026).

Wir kämpfen weiter für die Schaffung von Rahmenbedingungen, die uns erlauben, weiterhin unseren wunderbaren Beruf ausüben zu können und unsere Leidenschaft an die nachkommenden Generationen weiterzugeben.

 

 

> „Unterstützung der Produktion“, die selbsteinkellernde Weinbauern ausschliesst - SVSW Medienmittteilung 12.03.2026
> Schreiben an WBF - suspension de la consultation "répartition du contingent tarifaire selon la prestation fournie en faveur de la production suisse" - SVSW Komitee - 12.03.2026

 

Links:

> Von welcher Konkurrenz sprechen wir? - W. Cretegny - Vignes & Vergers 19.11.2025
> Ausreissen oder Grenzschutz? - SVSW 27.06.2025
> Plus que la baisse de consommation, c’est la concurrence étrangère qui saborde la viticulture suisse - Willy Cretegny - Terre&Nature 31.07.2025
> Inquiets pour leur avenir, les vignerons suisses demandent des mesures protectionnistes - RTS 04.07.2025
>> Gegen die Freihandels- und Bilateralen III Abkommen - SVSW Medienmittteilung 17.02.2025
> Artikel 22 LwG
> Parlamentarische Geschäfte im Zusammenhang mit dem Wein-Kontingent – Nationalrat und Ständerat – seit 2012